
Lagerarten im Überblick: Welches Lagersystem passt zu welcher Ware?
Ein Lager ist kein Raum, in dem Dinge stehen, sondern ein System, das darüber entscheidet, wie schnell Ware verfügbar ist, wie viel Fläche gebunden wird und wie hoch die Kosten je Stellplatz ausfallen. Wer die falsche Lagerart wählt, merkt das nicht sofort, sondern schleichend: über lange Wege, unnötiges Umlagern, ungenutzte Höhe und Ware, die man sucht statt findet. Wir zeigen Ihnen die gängigen Lagerarten, ihre Stärken und Schwächen und woran Sie erkennen, welche zu Ihrer Ware passt.
Wonach sich Lagerarten unterscheiden
Bevor es um konkrete Systeme geht, hilft ein Blick auf die Kriterien, nach denen sich Lager überhaupt einteilen lassen. Drei Fragen führen dabei am weitesten.
Bewegt sich die Ware oder das Regal?
Bei der statischen Lagerung bleibt die Ware an ihrem Platz, bis sie entnommen wird. Bei der dynamischen Lagerung bewegt sie sich innerhalb des Systems, etwa auf Rollenbahnen. Statische Systeme sind einfacher und günstiger, dynamische bringen Vorteile bei hohem Durchsatz.
Ist jeder Artikel direkt erreichbar?
Beim Direktzugriff kommen Sie an jede Einheit heran, ohne eine andere bewegen zu müssen. Ohne Direktzugriff müssen Sie umlagern. Das spart Fläche, kostet aber Zeit und ist bei vielen unterschiedlichen Artikeln schnell unwirtschaftlich.
Wird die Fläche oder die Höhe genutzt?
Jede Halle hat eine Grundfläche und eine Bauhöhe. Lagerarten unterscheiden sich vor allem darin, wie konsequent sie die vorhandene Höhe ausnutzen, statt sich in die Fläche auszubreiten.
Bodenlagerung und Blocklager
Die einfachste Form ist die Bodenlagerung: Ware wird direkt auf dem Boden abgestellt, gestapelte Paletten bilden ein Blocklager. Das erfordert keinerlei Investition in Regaltechnik und nutzt die Fläche dicht aus.
Der Preis dafür ist der fehlende Direktzugriff. An die hinteren und unteren Einheiten kommen Sie erst, wenn Sie davorstehende umlagern. Sinnvoll ist das deshalb bei wenigen Artikeln in großen Mengen, etwa bei Saisonware oder gleichartigen Gebinden. Sobald das Sortiment breiter wird, kippt die Rechnung, weil das Suchen und Umlagern mehr kostet als die eingesparte Regaltechnik.
Hinzu kommt die begrenzte Stapelhöhe: Nicht jede Ware trägt sich selbst, und die Bauhöhe der Halle bleibt oberhalb des Stapels ungenutzt.
Regallagerung als Standardfall
Sobald Direktzugriff und Höhennutzung zählen, führt der Weg zum Regal. Innerhalb der Regallagerung gibt es mehrere Bauformen, die sich nach der Ware richten.
Fachbodenregal
Der Klassiker für alles, was von Hand ein- und ausgelagert wird: Kleinteile, Kartonagen, Werkzeug, Ersatzteile und Archivgut. Die Fachböden lassen sich variabel einstellen, sodass sich das Raster an die Ware anpassen lässt. Es ist die feinste Unterteilung und damit die richtige Wahl für viele verschiedene Artikel in kleinen Mengen.
Palettenregal
Die Standardlösung für palettierte Ware, die mit Stapler oder Hubwagen bewegt wird. Jeder Stellplatz ist einzeln erreichbar, die Fachhöhen lassen sich über die Traversen anpassen, und die Bauhöhe der Halle wird konsequent ausgenutzt. Einen Überblick geben unsere Palettenregale.
Weitspannregal
Die Antwort auf alles, was zu schwer für ein Fachbodenregal und zu sperrig für ein Palettenregal ist. Große Feldweiten ohne Zwischenstützen halten sperrige Güter frei zugänglich, etwa schwere Einzelteile, große Kartonagen oder Behälter, die auf keinem Ladungsträger stehen.
Kragarm- und Stangenregal
Für Langgut wie Rohre, Profile, Holzlatten oder Bleche. Weil die Vorderkante offen bleibt, lässt sich Langgut seitlich einschieben und entnehmen, ohne dass Ständer im Weg stehen. Einen Überblick über alle Bauformen gibt unsere Seite zu den Regalsystemen.
Dynamische Lagersysteme
Wo es auf Durchsatz und Umschlagsgeschwindigkeit ankommt, kommen Systeme ins Spiel, in denen sich die Ware bewegt.
Im Durchlaufregal wird auf der einen Seite eingelagert und auf der anderen entnommen, die Ware rollt auf leicht geneigten Bahnen nach. Das erzwingt automatisch das First-in-first-out-Prinzip, was bei Lebensmitteln, Chargen und allem mit Haltbarkeitsdatum entscheidend ist. Beim Einschubregal erfolgen Ein- und Auslagerung dagegen von derselben Seite, wodurch das Last-in-first-out-Prinzip gilt.
Verschieberegale wiederum stehen auf verfahrbaren Untergestellen, sodass nur ein einziger Bediengang nötig ist, der jeweils dort geöffnet wird, wo er gebraucht wird. Das spart erheblich Fläche, kostet aber Zeit beim Zugriff, weshalb sich diese Systeme eher für Archive und langsam drehende Artikel eignen als für die schnelle Kommissionierung.
Lagerbühnen und Hochregallager
Wenn die Grundfläche ausgereizt ist, bleibt der Blick nach oben. Eine Lagerbühne schafft eine zusätzliche Nutzebene im vorhandenen Raum, die sich als Lagerfläche oder als Arbeitsbereich nutzen lässt. Das ist meist die wirtschaftlichste Antwort auf Platzmangel, weil weder angebaut noch umgezogen werden muss.
Die konsequenteste Form der Höhennutzung ist das Hochregallager, in dem Regalbediengeräte in schmalen Gassen arbeiten. Es erreicht die höchste Lagerdichte je Quadratmeter, setzt aber eine entsprechende Bauhöhe, hohe Anforderungen an die Bodenebenheit und eine deutlich größere Investition voraus. Für viele Betriebe ist die wirtschaftlichere Lösung deshalb ein hohes konventionelles Regalsystem, ergänzt um eine Lagerbühne.
Welche Lagerart passt zu Ihrer Ware?
Die Entscheidung lässt sich auf wenige Fragen zurückführen. Wie viele verschiedene Artikel führen Sie, und in welchen Mengen je Artikel? Viele Artikel in kleinen Mengen sprechen für Fachbodenregale, wenige Artikel in großen Mengen für Block- oder Durchlauflagerung.
Wie schwer und wie sperrig ist die Ware, und liegt sie auf einem Ladungsträger? Daraus ergibt sich die Regalbauform. Wie oft wird zugegriffen, und gilt eine feste Reihenfolge wie bei Haltbarkeitsdaten? Das entscheidet zwischen statischer und dynamischer Lagerung. Und schließlich: Welche lichte Höhe, welche Bodentragfähigkeit und welches Flurförderzeug stehen zur Verfügung? Diese Rahmenbedingungen begrenzen, was überhaupt möglich ist.
Häufige Fehler bei der Lagerplanung
Der teuerste Fehler ist, die vorhandene Bauhöhe ungenutzt zu lassen und stattdessen in die Fläche zu wachsen. Fläche ist teuer, Höhe ist meist schon bezahlt.
Ebenso verbreitet ist die zu knappe Gangbreite. Wer Stellplätze gewinnen möchte, indem er die Gänge verengt, verliert sie über Anfahrschäden und langsameres Arbeiten wieder. Dazu kommt das Planen für den Ist-Zustand statt für die Entwicklung: Ein Lager, das exakt auf den heutigen Bestand passt, ist in zwei Jahren zu klein. Und schließlich wird die Sicherheit unterschätzt. Regale sind Arbeitsmittel und sollten fachgerecht aufgebaut, gekennzeichnet und regelmäßig geprüft werden, denn ein beschädigter Ständer verliert Tragfähigkeit, ohne dass man es ihm zwingend ansieht.
Fazit
Es gibt nicht die eine richtige Lagerart, sondern nur die passende für eine bestimmte Ware und einen bestimmten Betrieb. Bodenlagerung ist unschlagbar günstig, solange das Sortiment schmal bleibt. Regallagerung ist der Standardfall, sobald Direktzugriff und Höhennutzung zählen, und teilt sich je nach Ware in Fachboden-, Paletten-, Weitspann- und Kragarmregale auf. Dynamische Systeme lohnen sich bei hohem Durchsatz oder wenn eine feste Entnahmereihenfolge gilt. Und wenn die Grundfläche ausgereizt ist, bringt eine Lagerbühne meist mehr Kapazität je investiertem Euro als ein Anbau. Wer vor der Entscheidung die Fragen nach Artikelzahl, Warenart, Zugriffshäufigkeit und baulichen Rahmenbedingungen sauber beantwortet, kommt fast immer zur richtigen Lösung.
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Häufige Fragen zu Lagerarten
Rund um die Wahl der passenden Lagerart erreichen uns immer wieder ähnliche Fragen. Die wichtigsten beantworten wir Ihnen hier.
Was ist der Unterschied zwischen statischer und dynamischer Lagerung?
Bei der statischen Lagerung bleibt die Ware an ihrem Platz, bis sie entnommen wird. Bei der dynamischen Lagerung bewegt sie sich innerhalb des Systems, etwa auf Rollenbahnen im Durchlaufregal. Statische Systeme sind einfacher und günstiger, dynamische bringen Vorteile bei hohem Durchsatz.
Wann lohnt sich ein Blocklager?
Bei wenigen Artikeln in großen Mengen, etwa bei Saisonware oder gleichartigen Gebinden. Sobald das Sortiment breiter wird, kosten Suchen und Umlagern mehr, als die eingesparte Regaltechnik einbringt.
Was bedeutet First-in-first-out beim Lagern?
Dass die zuerst eingelagerte Ware auch zuerst entnommen wird. Durchlaufregale erzwingen dieses Prinzip baulich, weil auf der einen Seite eingelagert und auf der anderen entnommen wird. Wichtig ist das überall dort, wo Haltbarkeitsdaten oder Chargen eine Rolle spielen.
Brauche ich ein Hochregallager?
Nur, wenn Sie die entsprechende Bauhöhe, die Bodenanforderungen und den Durchsatz haben, der die Investition rechtfertigt. Für viele Betriebe ist ein hohes konventionelles Regalsystem in Kombination mit einer Lagerbühne die wirtschaftlichere Lösung.
Wie finde ich heraus, welche Lagerart zu mir passt?
Über vier Fragen: Wie viele Artikel in welchen Mengen? Wie schwer und sperrig ist die Ware? Wie oft wird zugegriffen und gilt eine feste Reihenfolge? Und welche lichte Höhe, Bodentragfähigkeit und Flurförderzeuge stehen zur Verfügung?
Was wird bei der Lagerplanung am häufigsten übersehen?
Die vorhandene Bauhöhe, die ungenutzt bleibt, während in die Fläche gewachsen wird. Dazu zu knappe Gangbreiten, die Anfahrschäden begünstigen, und die Planung für den heutigen Bestand statt für die künftige Entwicklung.