
DIN EN 15635: Regalprüfung im Überblick
Ein Regal sieht auch dann noch tragfähig aus, wenn es das längst nicht mehr ist. Genau darin liegt die Gefahr: Ein angefahrener Ständer verliert Tragfähigkeit, ohne dass man es ihm ansieht, und die Last darüber bleibt dieselbe. Die DIN EN 15635 setzt hier an. Sie regelt Anwendung und Wartung ortsfester Regalsysteme aus Stahl und beschreibt, wie Betreiber den sicheren Zustand ihrer Lagereinrichtung dauerhaft gewährleisten. Wir erklären, worum es dabei geht und was das für Ihren Betrieb bedeutet.
Worum es in der Norm geht
Die DIN EN 15635 befasst sich mit der Anwendung und Wartung von Lagereinrichtungen. Sie richtet sich damit nicht an den Hersteller eines Regals, sondern an den Betreiber, also an den Betrieb, in dem das Regal steht und täglich genutzt wird.
Der Grundgedanke: Ein Regal ist mit der Montage nicht fertig, sondern ein Arbeitsmittel, das über Jahre belastet, angefahren, umgebaut und wieder beladen wird. Damit es sicher bleibt, braucht es klare Zuständigkeiten, regelmäßige Kontrollen und einen definierten Umgang mit Schäden. Genau diese Punkte beschreibt die Norm.
Wichtig vorab: Dieser Beitrag gibt einen Überblick und ersetzt weder den Normtext noch eine fachkundige Beurteilung. Maßgeblich sind die Norm selbst sowie die Vorgaben des Regalherstellers.
Der Verantwortliche für die Lagersicherheit
Ein zentraler Punkt ist die Benennung einer verantwortlichen Person für die Sicherheit der Lagereinrichtung. In der Praxis läuft sie oft unter der Abkürzung PRSES, gebräuchlich ist auch der Begriff Sicherheitsbeauftragter für Lagereinrichtungen.
Diese Person ist der Ansprechpartner für alles, was den Regalzustand betrifft: Sie organisiert die Kontrollen, nimmt Schadensmeldungen entgegen, entscheidet über Maßnahmen und sorgt dafür, dass die Dokumentation geführt wird. Der Vorteil einer klaren Benennung liegt auf der Hand. Ohne festen Zuständigen wird ein gemeldeter Anfahrschaden schnell zu etwas, um das sich niemand kümmert.
Die drei Ebenen der Kontrolle
Die Norm sieht ein gestuftes System vor, das von der täglichen Aufmerksamkeit bis zur fachkundigen Prüfung reicht.
Laufende Sichtkontrolle durch das Personal
Wer im Lager arbeitet, sieht Schäden zuerst. Deshalb sind alle Mitarbeitenden gefragt, auffällige Verformungen, gelockerte Verbindungen oder beschädigte Bauteile zu melden. Dafür braucht es einen einfachen, bekannten Meldeweg und eine Kultur, in der eine Meldung nicht als Schuldeingeständnis verstanden wird. Genau daran scheitert es in der Praxis am häufigsten.
Regelmäßige Kontrolle durch den Verantwortlichen
Zusätzlich zur spontanen Meldung erfolgt eine geplante Begehung in festgelegten Abständen durch die benannte Person. Sie schaut systematisch auf die kritischen Stellen, insbesondere auf die Ständerfüße in den Gassen, wo die meisten Anfahrschäden entstehen.
Fachkundige Inspektion
Hinzu kommt eine Prüfung durch eine fachkundige Person in wiederkehrenden Abständen, üblich ist mindestens einmal jährlich. Diese Inspektion wird dokumentiert und bewertet den Zustand der Anlage systematisch. Die fachkundige Person muss die Bauart kennen, Schäden einordnen können und die zulässigen Grenzwerte kennen. Für eine Anfrage zur Regalinspektion stehen wir Ihnen zur Verfügung.
Wie Schäden bewertet werden
Für die Beurteilung hat sich ein Ampelsystem etabliert, das auch in der Praxis der Regalinspektion durchgängig verwendet wird.
Grün bedeutet, dass der Schaden im zulässigen Bereich liegt. Das Bauteil bleibt in Betrieb, wird aber bei der nächsten Kontrolle erneut angesehen.
Gelb oder Orange steht für einen Schaden, der über dem grünen Bereich liegt, aber noch keine sofortige Entlastung erfordert. Das Bauteil muss in einem definierten Zeitraum ausgetauscht oder instandgesetzt werden, und der Bereich wird bis dahin besonders beobachtet.
Rot heißt Gefahr im Verzug. Der betroffene Bereich wird unverzüglich entlastet, gesperrt und erst nach Instandsetzung wieder freigegeben. Ein rot bewertetes Bauteil darf nicht weiter belastet werden.
Die konkreten Grenzwerte, ab wann ein Schaden welcher Stufe zuzuordnen ist, ergeben sich aus der Norm und den Herstellerangaben. Sie gehören in die Hand der fachkundigen Person und lassen sich nicht nach Augenmaß festlegen.
Reparieren oder austauschen?
Ein Punkt, der in der Praxis häufig falsch gehandhabt wird: Beschädigte tragende Bauteile werden nicht gerichtet, geschweißt oder ausgebeult. Ein verformter Ständer hat seine ursprüngliche Tragfähigkeit verloren, und Richten stellt sie nicht wieder her, weil das Material bereits über die Streckgrenze hinaus beansprucht wurde.
Der richtige Weg ist der Austausch gegen ein Originalbauteil des Herstellers. Auch das Mischen von Bauteilen unterschiedlicher Hersteller ist kritisch, weil die Verbindungen und Traglasten aufeinander abgestimmt sind. Wer improvisiert, hebt die statische Auslegung der gesamten Anlage auf.
Kennzeichnung und Dokumentation
Zur sicheren Nutzung gehört, dass die zulässigen Lasten am Regal deutlich sichtbar gekennzeichnet sind. Nur so können Mitarbeitende überhaupt erkennen, was ein Fach und ein Feld tragen dürfen. Fehlt das Schild oder ist es unleserlich, ist die Einhaltung der Traglasten reine Vermutung.
Ebenso wichtig ist die Dokumentation. Prüfungen, festgestellte Schäden, ergriffene Maßnahmen und deren Erledigung werden festgehalten. Das dient zum einen der Nachvollziehbarkeit im Betrieb, zum anderen ist es im Schadensfall der Nachweis, dass die Betreiberpflichten erfüllt wurden.
Was Schäden überhaupt verursacht
Die häufigste Ursache sind Anfahrschäden durch Flurförderzeuge, und die entstehen selten aus Unachtsamkeit allein. Meist sind die Gänge zu knapp bemessen, die Beleuchtung ist schlecht, oder das Regal steht ohne Anfahrschutz an exponierter Stelle.
Dazu kommen Überlastung durch falsche Beladung, unsachgemäße Umbauten, bei denen Ebenen ohne Prüfung versetzt werden, sowie ein unebener oder nicht ausreichend tragfähiger Boden. Wer diese Punkte bei der Planung berücksichtigt, reduziert die Schadenshäufigkeit deutlich. Passende Systeme finden Sie in unseren Regalsystemen, für palettierte Ware speziell bei den Palettenregalen.
Fazit
Die DIN EN 15635 verlangt keine aufwendige Bürokratie, sondern eine klare Ordnung: eine benannte verantwortliche Person, ein gestuftes Kontrollsystem aus täglicher Aufmerksamkeit, geplanter Begehung und fachkundiger Inspektion, eine nachvollziehbare Bewertung von Schäden über das Ampelsystem sowie Kennzeichnung und Dokumentation. Der wichtigste Grundsatz dabei ist einfach: Beschädigte tragende Bauteile werden ausgetauscht, nicht gerichtet. Und weil die meisten Schäden durch Anfahren entstehen, beginnt Regalsicherheit nicht bei der Prüfung, sondern bei der Planung von Gangbreiten, Anfahrschutz und Beleuchtung. Für die konkreten Grenzwerte und Prüfumfänge sind der Normtext und die Herstellerangaben maßgeblich.
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Häufige Fragen zur DIN EN 15635
Rund um die Regalprüfung erreichen uns immer wieder ähnliche Fragen. Die wichtigsten beantworten wir Ihnen hier.
Was regelt die DIN EN 15635?
Sie befasst sich mit der Anwendung und Wartung ortsfester Regalsysteme aus Stahl und richtet sich an den Betreiber. Beschrieben werden Zuständigkeiten, Kontrollen, der Umgang mit Schäden sowie Kennzeichnung und Dokumentation.
Wie oft muss ein Regal geprüft werden?
Neben der laufenden Sichtkontrolle durch das Personal und der geplanten Begehung durch den Verantwortlichen ist eine fachkundige Inspektion in wiederkehrenden Abständen vorgesehen, üblich ist mindestens einmal jährlich. Verbindlich sind Normtext und Herstellerangaben.
Wer darf die Regalinspektion durchführen?
Eine fachkundige Person, die die Bauart kennt, Schäden einordnen kann und die zulässigen Grenzwerte kennt. Die Inspektion wird dokumentiert.
Was bedeutet das Ampelsystem bei der Regalprüfung?
Grün steht für einen Schaden im zulässigen Bereich, Gelb für einen Schaden, der in einem definierten Zeitraum behoben werden muss, und Rot für Gefahr im Verzug. Rot bewertete Bereiche werden unverzüglich entlastet und gesperrt.
Darf ich einen verbogenen Ständer richten?
Nein. Beschädigte tragende Bauteile werden ausgetauscht, nicht gerichtet oder geschweißt. Das Material hat seine ursprüngliche Tragfähigkeit verloren, und Richten stellt sie nicht wieder her. Verwenden Sie Originalbauteile des Herstellers.
Was passiert, wenn ich die Prüfung vernachlässige?
Neben dem eigentlichen Sicherheitsrisiko für Mitarbeitende und Ware fehlt im Schadensfall der Nachweis, dass die Betreiberpflichten erfüllt wurden. Die Dokumentation der Prüfungen ist deshalb ebenso wichtig wie die Prüfung selbst.